„Benvenuti a Brema“
Deutsch Italienische Kulturbörse: Vier spannende Tage
„Benvenuti a Brema“: Mit der Wahl der Kunsthalle als Location für den Begrüßungsabend der 18. Kulturbörse der VDIG setzte die gastgebende Deutsch Italienische Gesellschaft Bremen ein erstes überzeugendes Statement. Von historischem Baumbestand umgeben, erhebt sich das 1849 errichtete imposante Gebäude in Klassizismus pur. Die achtstufige Freitreppe kann man nicht mal eben so hinaufgehen, man muss einfach schreiten. In der großen Eingangshalle dann der Kontrast. Die US-amerikanische Künstlerin Sarah Morris hat 2013 die Wände deckenhoch mit abstrakten geometrischen Formen in leuchtenden Farben gestaltet: Tradition trifft Moderne. Die Kunsthalle zeichnet zudem eine einzigartige Besonderheit aus: Noch heute ist der 1823 von bremischen Bürgern gegründete Kunstverein privater Träger des Museums. Bürgerschaftliches Engagement ist in der Hansestadt nicht wohlfeile Phrase, sondern praktischer und konkreter Einsatz zum Wohle der Stadt.
Nach einem ersten Prosecco hieß der Präsident der DIG Bremen, Marco Eggert, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der viertägigen Kulturbörse willkommen. 140 Mitglieder der Deutsch Italienischen Gesellschaften hatten sich akkreditiert. 100 aus Deutschland, 40 aus Italien. Ravenna stellte mit 23 Frauen und Männern das größte italienische Kontingent, Kassel mit 37 das größte deutsche. Die Deutsch- Italienische Gesellschaft Bielefeld war vertreten mit Schatzmeisterin Carola Matheisen, Beisitzer Peter Prestel, dessen Ehefrau, die Künstlerin Christine Halm, und dem Autor dieser Zeilen. Die siebenköpfige Delegation unserer Nachbargesellschaft Lippe-Detmold wurde angeführt von Präsidentin Elke Neuhaus.


Puppenspielerinnen aus Faenza begeisterten beim Begrüßungsabend in der Kunsthalle mit den Bremer Stadtmusikanten
Frauenpower: Elke Neuhaus, Carola Matheisen, Christine Halm (von links)
„Wir wollen an den vier Tagen gemeinsam neue Ideen und Konzepte entwickeln, vor allem aber miteinander ins Gespräch kommen und unsere Gedanken austauschen“, betonte Marco Eggert in seiner Eröffnungsrede. Und davon machten die Gäste regen Gebrauch. In Gruppen und Grüppchen plauderte man miteinander, mal lebhaft, mal nachdenklich, mal mit einem herzlichen Lachen. Mächtigen Applaus gab es für die „Bremer Stadtmusikanten“, temperamentvoll in Szene gesetzt von Puppenspielern aus Faenza.
In Bremens schönstem Festsaal
Die Kulturbörse ist herausgehobenes Element der „Italienischen Kulturtage“, die erstmals seit 44 Jahren wieder in Bremen veranstaltetet wurden. Zur feierlichen Eröffnung hatte die Stadt deshalb in die Obere Halle des Rathauses geladen, Bremens schönstem und repräsentativstem Festsaal. Stilvoller illustrer Rahmen, der Hauch der Geschichte der 668 Jahre alten Hansestadt schwebte durch den Raum. Honoratioren und viel feine Bremer Gesellschaft gaben sich ein Stelldichein. Und Grußworte gab’s – nicht zu knapp.
Bürgermeister Björn Fecker, qua Amt schon routinierter Festredner, lobte die Weltoffenheit Bremens („tausendmal gehört“, zwinkerte mir mein Sitznachbar zu), der neue italienische Generalkonsul Piero Vaira, der extra aus Hannover angereist war, lobte ausführlich die vielfältigen guten Beziehungen seines Landes zu Deutschland und krönte seine Rede mit dem emphatischen Ausruf: „Viva Germania, viva Italia“.
Der Präsident der VDIG, Dr. Alessandro Bonesini, wich indes mit einer sehr persönlich gefärbten, nachdenklichen Rede wohltuend von der Norm ab. Das Auditorium dankte mit lang anhaltendem herzlichen Beifall.
Höhepunkt des Festaktes dann die Verleihung des „Premio Culturale“ der VDIG, mit der jeweils zu den Kulturbörsen Personen oder Institutionen ausgezeichnet werden, die sich in besonderem Maße für die deutsch-italienischen Kulturbeziehungen einsetzen. Diesmal ging der von dem Künstler Carmine Leta geschaffene Preis, eine filigrane Draht-Skulptur, an die Literaturkritikerin, Autorin und Journalistin Dr. Maike Albath, eine der profiliertesten Kennerinnen der italienischen Gegenwartsliteratur. Für ihr eigenes Neapel-Buch „Bitteres Blau“ wurde sie im vorigen Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.
Bielefeld vorn mit dabei
„Zukunft gestalten“ war die knapp zweistündige VDIG-Konferenz am zweiten Börsentag betitelt, in der Vertreterinnen und Vertreter der Deutsch Italienischen Gesellschaften ihre Konzepte diskutierten. Bei etlichen Vereinigungen, vor allem den großen mit mehr als 300 Mitgliedern wie Passau oder Kassel, stünde die Geselligkeit im Vordergrund, so Schatzmeisterin Carola Matheisen: „Geboten werden Stammtische, Kochabende, gemeinsame Konzertbesuche oder Reisen.“ Der Lesemarathon zum Beispiel, in Bielefeld mit jeweils gut 120 Besuchern eines der Programm-Glanzlichter, spiele in anderen Gesellschaften eine eher untergeordnete Rolle. Das Programm der DIG Bielefeld, zog Carola Matheisen das Resümee, sei mit gut besuchten Veranstaltungen zu kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Themen vergleichsweise anspruchsvoll. „Wir brauchen uns nicht zu verstrecken. Im Gegenteil, wir sind vorn mit dabei“.
Zu den Ausstellern der Kulturbörse am Abschluss-Sonntag gehörten auch Maren und Horst Westermann, die im vorigen Jahr bei der DIG Bielefeld ihr segensreiches Versöhnungsprojekt „Eine Friedensorgel für Sant`Anna di Stazzema“ vorstellten. Nun haben sie den Impuls für eine neue Ausstellung gegeben. Angehende Mediengestalterinnen und -gestalter des Berufskollegs Ost in Essen haben 2024 im Rahmen einer Studienfahrt das kleine Bergdorf in der Toskana besucht, in dem 1944 die Waffen-SS mehr als 560 Männer, Frauen und Kinder ermordete. Ihre Eindrücke verarbeiteten sie in einem Medienprojekt. Daraus ist die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ entstanden. Als die Westermanns Peter Prestel davon erzählten, zögerte er keine Sekunde: „Das müssen wir nach Bielefeld holen“. Nach Hause zurückgekehrt, ließ er seine Verbindungen spielen und brachte das Projekt flugs auf die Abschussrampe. Die Zustimmung des Vorstands vorausgesetzt, könnte die DIG Bielefeld die Arbeiten der jungen Leute im zweiten Halbjahr 2027 in der Bürgerwache am Siegfriedplatz zeigen und mit Veranstaltungen begleiten. Die italienische Version der Ausstellung ist bereits in vielen Städten der Toskana unterwegs.


Der Präsident der gastgebenden Deutsch Italienischen Gesellschaft Bremen, Marco Eggert, mit den Bielefelder Peter Prestel und Carola Matheisen (von links)
Die Kulturbörse machte Laune: (unten von rechts): VDIG-Präsident Dr. Alessandro Bonesini, die Schatzmeisterin der DIG Bielefeld, Carola Matheisen, Maren Westermann und Horst Westermann, Initiatoren des Projektes Sant‘ Anna di Stazzema, (oben von rechts) Elke Neuhaus, Präsidentin der DIG Lippe-Detmold und Peter Prestel, Beisitzer der DIG-Bielefeld
Noch ein zweiter Blick auf die Planungen unserer Gesellschaft für das kommende Jahr: Peter Prestel ist guten Mutes, ein weiteres Ausstellungsprojekt unter dem Titel „Kind sein“ für die DIG nach Bielefeld holen zu können. Es handelt sich um eine deutsch-italienische Kunstinstallation für UNICEF, das in Italien von SiPo Prato und in Deutschland von „Raum für Kunst auf Zeit“ in Dortmund durchgeführt wird. 40 Künstlerinnen und Künstler aus den beiden Ländern, darunter Christine Halm, gestalten ein begehbares Mandala aus 40 bemalten Holzscheiben, um ein Zeichen für Kinderschutz und Kinderrechte zu setzen. Die Gespräche, einen passenden Ausstellungsort zu finden, ließen sich sehr gut an, berichtete Peter Prestel.
Christine Halm erzählte dem Chef der DIG Bremen, Marco Eggert, am Rande des Abschlussabends auf dem Gut Landruhe von dem Projekt. Offenbar so überzeugend, dass Marco Eggert die Leiterin von „Raum für Kunst auf Zeit“, Sabine Leven, spontan einlud, das Projekt im offiziellen Teil des Abends auf der Tenne des Gutes zu präsentieren.
Fulminantes Finale auf historischem Landgut
Das Gut Landruhe am Rande der Stadt gehört zu den besonderen Schmuckstücken Bremens. Das um 1800 erbaute Herrenhaus mit einem großzügig angelegten Park war Schauplatz des Italienischen Abends „Brema incontra Modena“, dem fulminanten Finale der Kulturbörse. Ein Straßentheater aus Faenza begrüßte die Gäste, für einen kulinarischen Hochgenuss sorgten Schülerinnen und Schüler des Fachbereichs Gastronomie des „Istituto Lazzaro Spallanzani“ aus Castelfranco Emilia. Ein Blick auf die Menü-Karte? Prosciutto crudo di Modena D.O.P in morsa, Salame di San Felice, Risotto con Cotechino, Tortellino tradizionale di Castelfranco, Parmigiano Reggiano D.O.P, 36 mesi, e Aceto Balsamico tradizionale di Modena D.O.P , dazu Lambrusco Grasparossa di Castelvetro D.O.C. Zum Reinknien!
Auf dem Gut trafen wir auch eine „alte Bekannte“. Die Malerin Rossella Baldecchi stellte einige ihrer poetischen Arbeiten vor – und erinnerte sich mit großer Freude an die von der DIG Bielefeld initiierte Schau ihrer Werke in der Rathausgalerie im vorigen Jahr: „Ich denke sehr oft an die wunderschöne Woche – und vor allem an die lieben Menschen“.
Beim offiziellen Abschluss auf der Tenne des Gutes verlieh Präsident Dr. Alessandro Bonesini im Namen des Vorstands die Ehrenpräsidentschaft an Rita Marcon Grothausmann, die von 2012 bis 2025 Präsidentin der VDIG war, und deren Vorgänger Cai Boesken, der von 2001 bis 2012 an der Spitze des Dachverbands stand. Die Laudatoren, die Regio-Beauftragte Ost, Alessandra Zappalà, sowie VDIG-Vize-Präsident Andreas Mickel würdigten die Leistungen der verdienten Persönlichkeiten. Herzlicher, dankbarer Applaus!



Schauspielerinnen und Schauspieler eines italienischen Straßentheaters „Fiesta“ begrüßten die Gäste auf dem Landgut
Manfred Matheisen im Gespräch mit VDIG-Chef Dr. Alessandro Bonesini (rechts)
Gute Erinnerungenb an Bielefeld: Die Künstlerin Rossella Baldecchi mit Peter Prestel
Neben den offiziellen Veranstaltungen bot die DIG Bremen ein vielfältiges, spannendes Rahmenprogramm. So gab es Führungen durch die Bremer Bürgerschaft, einen Besuch des Weserstadions, das auch in der kommenden Spielzeit Erstligafußball sehen wird (Werder hat ja, wie auch mein Herzensverein, der „Eff Zeh“, den Abstieg gerade noch vermieden). Es gab ein Orgelkonzert im Dom St. Petri, einen Ausflug nach Bremerhaven mit Klimahaus, Überseehafen und Auswanderermuseum. Dorthin hatte Bremerhavens Bürgermeister Torsten Neuhoff zum Empfang eingeladen und stellte unter Beweis, dass Politiker auch knackig-kurz, anschaulich und witzig reden können.
Ein ganz dickes Kompliment an die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der DIG Bremen, die überall zur Stelle waren und für einen reibungslosen Ablauf sorgten.
Arrivederci Brema – Benvenuti a Piacenza
Nach der Kulturbörse ist vor der Kulturbörse. 2028 geht es wieder nach Italien, und zwar in die Emilia Romagna , wie Präsident Bonesini bekanntgab. Und dann wird es heißen: „Benvenuti a Piacenza!“
Als der letzte Vorhang in Bremen gefallen war, atmete Marco Eggert erst einmal befreit durch: „Hat doch ganz gut geklappt“. Bremen werde in der deutschen Öffentlichkeit ja eher als „graue Maus“ wahrgenommen, meinte er. „Das liegt wohl an der hanseatischen Zurückhaltung. An den vier Tagen wollten wir aber zeigen, dass Bremen eine wunderschöne Stadt ist“. Bestens gelungen, attestierte die Bielefelder Abordnung einhellig.
„Graue Maus“, wenn das keine Parallele zu Bielefeld ist. Wird unsere Stadt doch auch oft als graue Maus tituliert , obwohl es hier ebenfalls wunderschön ist. Sollte das , wie in Bremen, an einer Art Zurückhaltung der Bevölkerung liegen? Eher unwahrscheinlich, gelten ostwestfälische Menschen doch gemeinhin als wahre Temperamentsbolzen. . .
Text: Manfred Matheisen, Fotos: Christine Halm / Peter Prestel
Bisherige Vorträge und Veranstaltungen 2025/26
Die Erfindung der Oper
Das schönste Missverständnis der Musikgeschichte
Vortrag von Dr. Bettina Gößling
Mittwoch, 8. Oktober 2025, 19 Uhr, Murnausaal der VHS Bielefeld

Wo ist die Musik entstanden, die uns in der Oper so fasziniert – der Gesang des einzelnen Menschen, der uns an seinem Schicksal teilhaben lässt und zutiefst bewegt? In Florenz am Ende des 16. Jahrhunderts: Dort wollte man eine Musik erschaffen, um die Dramen der Griechen und Römer wieder zum Leben zu erwecken. Dabei entstand etwas ganz Neuartiges und Wunderschönes, das im Laufe des Vortrages mit vielen Hörbeispielen erläutert wird.
Mailand, Scala, (c) wikipedia.org
Das rätselhafte Verschwinden des Ettore Majorana
Vortrag von Dr. Pietro Scanzano
5. November 2025, 19 Uhr, Murnau-Saal der VHS Bielefeld

Der geniale italienische Physiker Ettore Majorana verschwand 1938 mit 31 Jahren unter Umständen, die bis heute nicht geklärt wurden. Seitdem hat es zahlreiche Versuche gegeben, die Fakten verlässlich zu rekonstruieren. Es sind aber auch allerlei Spekulationen über die Gründe formuliert worden. Selbstmord oder neues Leben woanders? Und warum?
Des Falles hat sich unter anderem der Schriftsteller Leonardo Sciascia angenommen, in seinem auch in Deutschland bekannten Buch Das Verschwinden des Ettore Majorana.
© Dr. P. Scanzano
Foto: © wikipedia.org
Es war einmal Deutschland – Gelobtes Land
Vortrag von Nello Simeone
Mittwoch, 3. Dezember 2025, 19 Uhr, Murnausaal der VHS Bielefeld
„Es ist das Jahr 1965. Zu der Zeit bin ich gerade 18 Jahre alt. Ich bin einer von ihnen, den Gastarbeitern. Es sind nahezu Millionen von Menschen, die ihre Familien verlassen um nach Deutschland zu gehen, dort eine Arbeit suchen, eine neue Zukunft, Wohlstand für ihre Familie. Für mich war von alledem nichts ausschlaggebend. Mein Ziel war es, der Enge der Familie zu entkommen, der Strenge der Eltern, den Gesetzen und Sitten, der Sturheit der italienischen Mentalität zu entfliehen. Ich wollte frei sein. Andere Kulturen entdecken, ihre Denkweisen kennenlernen. Dafür war ich bereit, einen hohen Preis zu zahlen…“
Nello Simeone – geboren 1946 in der Nähe der geschichtsträchtigen Abtei Monte Cassino – erzählt in seinem bewegenden, autobiographischen Roman „Es war einmal Deutschland“ von seinen Erwartungen und Sehnsüchten, von seinem Leben im ‚gelobten Land‘.

(c) Sparkys Edidtion
Carlo Carrà
Divisionist, Futurist, metaphysischer Maler, Realist des Novecento
Vortrag von Dr. Frank Duwe
Mittwoch, 14. Januar 2026, 19 Uhr, Murnausaal der VHS Bielefeld

Die erste direkte Begegnung mit der Avantgardekunst seiner Zeit (Impressionismus, Postimpressionismus) erfährt der Piemontese Carlo Carrà (geb. 1881) um 1900 in Paris neben seiner Arbeit als Wanddekorateur und Stuckateur bei der Weltausstellung und in einigen Privatvillen. Einem Aufenthalt in London, bei dem er Werke von Constable und Turner sieht, folgt die Rückkehr nach Mailand. Ab 1904-05 widmet er sich intensiv der Malerei, besuchte die Kunstgewerbeschule im Castello Sforzesco und anschließend die Academia di Brera. Sein Stil, zunächst vom lombardischen Naturalismus beeinflusst, wendet sich zunehmend der divisionistischen Farbenlehre zu. 1909-10 macht er die Bekanntschaft der Futuristen und schließt sich ihrer Gruppe an, in der er zu einem führenden Mitglied wird. In dieser Zeit bleibt sein Werk für Stileinflüsse des analytischen und synthetischen Kubismus offen. Während des ersten Weltkriegs lernt Carrà 1917 im Militärlazarett von Ferrara Giorgio de Chirico kennen, mit dem zusammen er die Pittura Metafisica entwickelt. Die futuristische und anfangs kriegsverherrlichende Euphorie führt bei ihm zu einer Abkehr. In der Pittura Metafisica sieht Carrà die erneuerten Grundlagen der Kunst: das Geheimnis der Dinge in deren alltäglichen Erscheinung und innere Anschauung sind der neue Fokus. Nach dem Krieg vollzieht Carrà nochmals eine Wende hin zur Realistik und den klassischen Wurzeln der Kunst. Figurative Formen, auf das Essentielle reduziert, alltägliche, aber auch historische Sujets und klassizistische Adaptionen finden Eingang in ein verdichtetes Werk mit Stilmomenten aus früheren Werkphasen. Von einem magischen Realismus führt Carràs Weg schließlich zu einem mythischen und lyrischen Realismus. Carrà stirbt 1966 in Mailand.
(c) Wikipedia.org
Fabrizio De André
Literarisch-musikalischer Abend
20. Februar 2026, 20 Uhr, Stadtblibliothek Bielefeld
Mit Dr. Alessandro Bellardita, Faber Sanna & Friends
In Kooperation mit der DIG Detmold und der Stadtbibliothek Bielefeld
Der Abend ist als eine Hommage an einen der einflussreichsten und bekanntesten Liedermacher Italiens konzipiert: Fabrizio De André (1940-1999). Seine Musik, seine unverwechselbare Stimme, seine Lieder mit Texten hohen literarischen Niveaus über Freiheit, Frieden, Liebe, Gerechtigkeit und Widerstand haben ganze Generationen geprägt und inspirieren bis heute, sie sind fester Bestandteil der italienischen Kultur.
Durch den Abend führt ein ausgewiesener Kenner des Lebens und der tiefen und facettenreichen Gedankenwelt des Liedermachers: Dr. Alessandro Bellardita. Er ist Richter, Hochschuldozent, Schriftsteller und Autor einer Biografie über Fabrizio De André („Die Essenz der Freiheit“).
Das sehr erfolgreiche Ensemble Faber Sanna & Friends – gegründet 2022 vom sardischen Gitarristen und Sänger Fabrizio Sanna – wird De Andrés Lieder auf der Bühne der Stadtbibliothek zum Leben erwecken. Eine musikalische Reise, die das Werk und die Wirkung des italienischen Cantautore würdigt. Die eindrucksvolle Stimme von Faber Sanna, begleitet von Gitarren und anderen Instrumenten seines Trios, interpretiert die berühmtesten Lieder mit erstaunlicher Authentizität und Leidenschaft.
Eintritt: € 12 für Nichtmitglieder, € 6 für DIG-Mitglieder

© Archive.org





Lesemarathon
Grazia Deledda (1871-1936)
Eine Hommage an die sardische Schriftstellerin 100 Jahre nach ihrem Nobelpreis für Literatur
6. März 2026, 20 Uhr, Stadtbibliothek Bielefeld

Lesung mit Bielefelder Persönlichkeiten
Eine Initiative der VDIG
In Kooperation mit der Stadtbibliothek Bielefeld
Unter der Schirmherrschaft der Italienischen Botschaft
Moderation: Dr. Maddalena Agliati Werner
Im Fokus des neunten Lesemarathons der DIG Bielefeld am 6. März 2026 steht die sardische Schriftstellerin Grazia Deledda: Das 100. Jubiläum der Verleihung des Literaturnobelpreises an sie ist ein guter Anlass, sich der Autorin und der sardischen Lebenswelt zu nähern und sie (wieder) zu entdecken. Die Moderatorin wird in ihr Leben und Werk einführen und es werden Abschnitte vor allem aus ihrem bekanntesten Roman „Schilf im Wind – Canne al vento“ vorgelesen.
Geboren wurde Deledda in einer abgelegen Region Sardiniens, in einer von Bauern und Hirten geprägten Gesellschaft: Lesen und Schreiben galt dort als unpassend, vor allem für Frauen. Sie widersetzte sich dem dort herrschenden weiblichen Rollenbild und trotzte mutig allen Anfeindungen. Erfahrungen, die sie – als Autodidaktin – hochliterarisch in ihrem poetischen, beindruckenden
Werk verarbeitete.
Eintritt frei!
© Foto: J. Adam





Lesemarathon im Zeichen von Grazia Deledda
Was für eine Frau
„Finalmente und donna!“ – endlich eine Frau. Und was für eine! Der neunte Lesemarathon, den unsere Gesellschaft (DIG) in der Stadtbibliothek ausrichtete, stand ganz im Zeichen von Grazia Deledda, die vor 100 Jahren mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Acht Mal waren bisher Männer die Protagonisten. 2022 sollte es um Elsa Morante gehen, die Veranstaltung fiel aber bei uns der Corona-Pandemie zum Opfer.
DIG-Präsidentin Maddalena Agliati Werner ließ die gut 120 Besucherinnen und Besucher die beinah in Vergessenheit geratene Schriftstellerin für sich neu entdecken. Lebendig und einfühlsam zeichnete die Literaturwissenschaftlerin das Bild der beeindruckenden Frau, die 1871 in einer abgelegenen Region Sardiniens geboren wurde, in der das Lesen und Schreiben, vor allem für Frauen, als unpassend galt. Die DIG-Präsidentin schilderte, wie sich Grazia Deladda schon in jungen Jahren dem herrschenden Rollenbild widersetzte und mutig allen Anfeindungen trotzte. Ausgewählte historische Fotos veranschaulichten die damalige Zeit.
Im Mittelpunkt der Lesung stand der Roman „Canne al vento – Schilf im Wind“, der in der kargen Landschaft Sardiniens angesiedelt ist. Grazia Deladda beschreibt darin hochpoetisch die Armut, den tiefen Aberglauben der Menschen und den patriarchalischen Ehrenkodex jeder Zeit. Wie es bei der DIG Tradition ist, lasen Persönlichkeiten aus der Bielefelder Stadtgesellschaft von der Moderatorin zusammengestellte Passagen aus dem Roman – auch muttersprachlich, um den wunderbaren Klang der italienischen Sprache zu vermitteln. Die Sängerin Daniela Giuccioli, Hajo Bernard, Gitarre und Sebastian Mews, Percussion, setzten mit ihrer Interpretation sardischer Volkslieder einen ganz besonderen Akzent.
Wie immer, überzeugte das Team der Stadtbibliothek mit einer perfekten Organisation und Betreuung der Veranstaltung.
Und das Publikum zeigte sich von dem Abend um das Werk der großen italienischen Schriftstellerin tief berührt. Das Resümee: Grazia Deledda – was für eine großartige Frau und Schriftstellerin!
© M. Matheisen
Gioachino und Giacomo – zwei Komponisten in Paris
Vortrag und Konzert
Mit Dr. Martina Friedrichs (Vortrag) und Alessandro Marangoni (Klavier)
Samstag, 7. März 2026, 18:30 Uhr im Kleinen Saal der der Rudolf-Oetker-Halle
Beide Komponisten, der eine italienisch-katholisch, der andere deutsch-jüdisch, lebten im 2. Drittel des 19. Jahrhunderts in Paris und haben das europäische Musikleben maßgeblich beeinflusst.
Dr. Martina Friedrichs: „Gioachino Rossini und Giacomo Meyerbeer waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Opernstars in Paris, die gesellschaftliche Erdbeben und Begeisterungsstürme hervorriefen. Spannend sind aber auch ihre Karrieren in Italien und Frankreich. Die beiden Grandseigneurs der Oper einander gegenüberzustellen, ihren Erfolg und ihre Beziehung zueinander zu ergründen, hat mich in jeder Stunde mitgerissen und ihre Musik mich in einen Ausnahmezustand versetzt“.
Im Anschluss an den Vortrag spielt der italienische Pianist Alessandro Marangoni virtuose Opernparaphrasen für Klavier von Henri Herz, Sigismund Thalberg und Jules Massenet nach Werken von Rossini und Meyerbeer sowie späte Klavierwerke von Rossini, die auf den Vortrag abgestimmt sind.
Diese Art Musik ist ein Genuss ersten Ranges, aber in Konzerten der Gegenwart kaum noch zu hören (die allgemeine und leichte Verfügbarkeit von Opern-Aufnahmen ist hierfür hauptverantwortlich) und dürfte bei allen Musikbegeisterten auf großes Interesse stoßen.

Die Freundschaft zwischen Meyerbeer und Rossini war von persönlicher Wertschätzung und Hochachtung geprägt, in der kleine Sticheleien auf professioneller Ebene nicht ausblieben und die noch heute erheblichen Unterhaltungswert haben – die aber auch zeigen, dass unterschiedliche Sichtweisen anziehend und den Diskurs befruchtend wirken können. Das Verbindende dieses deutsch-französisch-italienischen Dreiklangs über einem christlich-jüdischen Fundament lässt sich zwanglos als Vorwegnahme der europäischen Idee deuten und verdient, gerade heute in den Fokus des Interesses gerückt zu werden. © Meder Musikmanagement
Veranstalterin ist die Deutsche Rossini Gesellschaft e. V.; das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit der Israelitischen Kultusgemeinde Bielefeld, mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Bielefeld, mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Bielefeld, der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Bielefeld und der Musikschule Bielefeld.
Die Veranstaltung wird gefördert von der Rudolf-August Oetker-Stiftung und unterstütz von der Sparkasse Bielefeld.
Der Eintritt zum Konzert ist frei; um eine Spende als Unkostenbeitrag wird gebeten. In der Pause werden darüber hinaus Bar-Spenden für die Musikschule Bielefeld gesammelt.
Die italienische Resistenza (1943–1945)
Gesichter und Geschichten von Widerstandskämpfern aus Süditalien
Vortrag von Prof. Dr. Vito Gironda
Mittwoch, 22. April 2026, 19 Uhr, Murnausaal der VHS Bielefeld
Die Resistenza gegen den Faschismus und die deutsche Besatzung (September 1943–April 1945) bildet die eigentliche Legitimationsgrundlage der italienischen Republik. Der Vortrag beleuchtet den Beitrag der Süditaliener im Rahmen der vielschichtigen antifaschistischen Gruppierungen.

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Die italienische Philosophie und der Faschismus
Vortrag von Prof. Dr. Wilhelm Büttemeyer
Mittwoch, 6. Mai 2026, 19 Uhr, Murnausaal der VHS Bielefeld

Von Philosophen erwartet man ein besonderes moralisches Bewusstsein. Der Frage, ob die italienischen Philosophen diesem Anspruch im „Ventennio“ gerecht geworden sind, soll in der Weise nachgegangen werden, dass zunächst die Rolle von Benedetto Croce und Giovanni Gentile untersucht wird, die als die bedeutendsten italienischen Philosophen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelten. Es muss dann auf die z.T. weniger bekannten Philosophen eingegangen werden, die sich dem Faschismus nicht anbequemten. Und gab es eine Philosophie des Faschismus?
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