Ausstellungen, Partnerschaften, Kulturelles …
„Beispielhafter Brückenschlag zwischen Deutschland und Italien“
DIG und SiPO: Bielefelder Künstlerinnen stellen erfolgreich in der Toskana aus
Das Ausstellungs-„Triple“ der Künstlerinnen Christine Halm, KyungWon Shin und Irina Valkova in den toskanischen Städten Prato, Montale und Signa war ein voller Erfolg. Höchst eindrucksvoll und mit unterschiedlichen Techniken interpretierten sie den Titel der Schau: „Oltre i Confini – Jenseits der Grenzen“. Die Ausstellung wurde von der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Bielefeld (DIG) und dem Deutschen Kulturinstitut SI-PO, Prato, im Rahmen eines Kulturaustausches organisiert.
Bei der Eröffnung der letzten Ausstellungsstation im historischen Palazzo Provinciale in der Provinzhauptstadt Prato bezeichnete Consigliera Maila Gazzini, Kulturrätin der Provinz, in ihrer Rede den Kulturaustausch als „beispielhafte private Initiative eines Brückenschlags zwischen Deutschland und Italien“. Es freue sie besonders, dass drei Frauen „mit dem ganz eigenen weiblichen Blick“ ihre Arbeiten präsentierten.



Die Grüße der DIG-Präsidentin Maddalena Agliati, die verhindert war, an der Eröffnung teilzunehmen, übermittelte Schatzmeisterin Carola Matheisen. Die DIG habe das Projekt gern, auch finanziell, unterstützt, sagte sie: „Wir möchten damit einen Beitrag zur Vertiefung der Freundschaft der Menschen in unseren beiden Ländern leisten. Ein schöneres Vehikel als die Kunst können wir uns kaum vorstellen.“
Sie erinnerte daran, dass zum Auftakt des Austauschs die toskanische Malerin Rossella Baldecchi bereits im April dieses Jahres mit großem Erfolg ihre Arbeiten im Bielefelder Rathaus gezeigt habe. Die Idee eines Kulturaustauschs sei spontan bei der Borsa Culturale der VDIG im April vorigen Jahres in Prato entstanden. Dass aus den ersten Überlegungen Wirklichkeit geworden sei, sei vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, vor allem aber der intensiven und kreativen Arbeit von SI-Po-Geschäftsführer Peter Schmitz und Peter Prestel, Beisitzer im Vorstand der DIG Bielefeld, zu verdanken: „Die ‚due Petri‘ haben einen tollen Job gemacht“, lobte Carola Matheisen.
Der SI-PO-Geschäftsführer zog eine positive Bilanz der Ausstellung in den drei Städten. „Wir wollten keine Allerwelts-Ausstellung zeigen, sondern ambitionierte Kunst bieten, die inspiriert und zum Nachdenken anregt. Unser Ziel ist immer, die Besucherinnen und Besucher mit einzubeziehen und sie zu ermuntern, miteinander ins Gespräch zu kommen. Und das ist hervorragend gelungen“.


So sah man bei der Vernissage das interessierte Publikum rasch in angeregten Unterhaltungen – mal eher nachdenklich, mal durchaus temperamentvoll. Der 19-Jährige Leonardo vertiefte sich in ein Bild der Serie „Clothes“ von Christine Halm, ein durchscheinendes, von der Künstlerin selbst genähtes Kleid, das auf einem einfachen Metallbügel in einem Garten hängt. „Das berührt mich tief“, sagt Leonardo, „erinnert mich an eine Krise, in die ich als Jugendlicher geraten bin – und wie ich sie überwunden habe.“
Die Fotoarbeiten und ein Video von KyungWon Shin, die das Schicksal einer drogensüchtigen jungen Frau, die sie „Pünktchen“ nennt, mit ihrem letztlich gescheiterten Versuch dokumentieren, aus der Abhängigkeit herauszukommen, lässt eine Gruppe von Männern und Frauen lebhaft miteinander diskutieren. Gleiches geschieht vor einem Video von Irina Valkova, das die Geschichte einer Ukrainerin nachzeichnet, die nach dem Überfall Russlands auf ihr Heimatland nach Deutschland geflüchtet ist und hier ihren Traum verwirklichen will, Konditorin zu werden. Und eine Besucherin fasste ihre Anerkennung für die Schau in einem Satz zusammen: “Solche Ausstellungen müsste es hier öfters geben.”
Im Namen der Künstlerinnen bedankte sich Christine Halm für die große Hilfe und Herzlichkeit, mit der sie aufgenommen worden seien. Ihr besonderer Dank galt Anne Ehrenhold-Knauf von der DIG Bielefeld, die im vorigen Jahr bei der Borsa Culturale der VDIG den entscheidenden Impuls für den Austausch gegeben habe: „Und nun dürfen wir hier sein, und das ist eine riesengroße Freude“.



Anlässlich seiner Teilnahme an der Lehrerkonferenz des Kulturinstituts Si-PO besuchte der Präsident der Vereinigung Deutsch-Italienischer Kultur-Gesellschaften (VDIG), Alessandro Bonesini, am ersten Ausstellungswochenende den Palazzo Provinciale und wurde von Peter Prestel durch die Ausstellung geführt. Er zeigte sich von den Kunstwerken tief beeindruckt: „Komplex und anspruchsvoll“. Bonesini betonte die starke Präsenz, die von den Arbeiten ausgehe. Die Bilder sprächen die Betrachter unmittelbar an, forderten geradezu zum Nach- und Weiterdenken heraus. Diese emotionale Beziehung zwischen Bild und Betrachter mache das Besondere der Ausstellung aus.
Für den Kulturaustausch zwischen der DIG und der SiPO war VDIG-Präsident Bonesini voll des Lobes: „Das entspricht genau den Zielen unserer Vereinigung. Wir wollen die Menschen in Deutschland und Italien einander näherbringen. Und die Kunst ist dabei ein ideales Medium“.
Text: Manfred Matheisen, Fotos: P. Prestel
„Es macht einfach nur Spaß“
DIG und SiPO: Drei Künstlerinnen aus Bielefeld in der Toskana
„Wir sind überwältigt von der Gastfreundschaft. Es ist beinah so, als säßen wir mit guten Freunden bei denen zu Hause am Küchentisch“: Die Stimme von Peter Prestel am Telefon klingt nach Freude pur. Er meldet sich aus Prato, wo er und seine Frau Christine Halm für einige Wochen Quartier bezogen haben, um den „Italien-Teil“ des Kulturaustauschs zwischen der Deutsch Italienischen Gesellschaft Bielefeld (DIG) und dem Kulturinstitut SiPO Prato mit Ausstellungen der Künstlerinnen Christine Halm, Irina Valkova und KyungWon Shin aus Bielefeld in drei toskanischen Städten mit zu organisieren. Bereits im April dieses Jahres waren Arbeiten der Künstlerin Rossella Baldecchi aus Pistoia im Bielefelder Rathaus zu sehen. Nahezu 5.000 Kunstinteressierte haben die Schau besucht.
„Wir haben genug zu tun“, berichtet Peter Prestel, Vorstandsmitglied der DIG. Die Unterstützung durch die SIPO mit ihrem Geschäftsführer Peter Schmitz sei schlicht großartig. Erstaunt sei er immer wieder, wie gelassen man in Italien mit Problemen umgehe und immer eine Lösung finde – manchmal auch eher unkonventionell: „Es macht uns einfach nur Spaß“.
Erste Ausstellungsstation war die Kommunale Bibliothek in der prächtigen Villa Castello Smilea in dem 10.000-Einwohner-Städtchen Montale in der toskanischen Provinz Pistoia. Die Schau wurde eröffnet von Bürgermeister Tiziano Pierucci, der seine Hochachtung über die deutsch-italienische Kulturinitiative zum Ausdruck brachte. Sein ausdrücklicher Dank galt der DIG und der SiPO mit allen ihren Helferinnen und Helfern.
Peter Prestel ging auf die grundlegende Idee der DIG und der SiPO zum Kulturaustausch ein. Man wolle ganz bewusst keine „fertigen und importierten Ausstellungen mit hohem Spektakel-Faktor“ bieten. Auch wähle man mit voller Absicht Orte außerhalb der „institutionalisierten Kunstszene“ aus, wie die Rathäuser in Bielefeld und Signa, den Palazzo della Provincia in Prato oder eben die Kommunale Bibliothek in Montale: „Orte, wo Menschen aus ganz anderen Gründen hinkommen, dort der Kunst begegnen, vielleicht von den Werken überrascht werden und darüber miteinander ins Gespräch kommen“.
In der Ausstellung “Oltre i confini” (Jenseits der Grenzen) mit dem Untertitel „Reale und surreale Welten“ geht es Christine Halm, Irina Valkova und KyunWon Shin um Erfahrungen mit Überschreitung, Ausgrenzung und Zurückweisung, gesellschaftlich wie psychologisch. Die Lebensläufe der drei Künstlerinnen sind von Bewegung, Veränderung und immer wieder von auch unfreiwilligen Standortveränderungen geprägt. Das macht sie dafür sensibel, die Dinge nicht einfach so zu nehmen und zu sehen, wie sie sind, sondern sie zu hinterfragen, zur interpretieren und neu zu ordnen. Und so beschränken sie sich nicht auf eine Technik, sondern experimentieren in alle Richtungen: Fotografie; Mixed Media; Malerei; Film; Texte.
Irina Valkova begleitet eine ukrainische Geflüchtete, die sich in Bielefeld als Konditorin eine neue Existenz erarbeiten will und ein Stück ukrainischer Identität in Form von Backrezepten bewahren will. Kyungon Shin beschäftigt sich mit dem Leben von Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben und dort nicht selten sterben. Christine Halm spürt der Weitergabe von Kriegstraumata über Generationen hinweg nach, etwas, das wir in vielen Ländern Europas kennen und gerade in der Ukraine erneut ausbricht.
Mit der Resonanz auf die Ausstellung in Montale ist Peter Prestel sehr zufrieden. „Es hat im Anschluss viele angeregte und gute Gespräche gegeben. Nicht immer nur ernst, oft auch richtig lustig“. Beeindruckt hat ihn die Medienpräsenz. Der Fernsehsender TVL brachte noch am Abend aktuell einen wohlmeinenden Bericht über die Eröffnung. Das „DeutschRadio“ der SIPO, www.si-po.org, das weltweit empfangen werden kann und dessen Beiträge auch im Deutschunterricht an den Schulen eingesetzt wird, bat die Künstlerinnen um Interviews. Die drei hätten das ganz toll gemeistert, sagt Prestel am Telefon, „als hätten sie nie etwas anderes gemacht“. Und er fügt eine Frage an: „Wie geht Augenzwinkern akustisch?“
Nun zieht die Ausstellungs-Crew weiter nach Signa, 15 Kilometer westlich von Florenz. Dort ist am Eröffnungstag rund um das Rathaus Herbstmarkt. „Das passt doch gut“ freut sich Peter Prestel, „da schaut bestimmt mancher Besucher bei uns rein“. Und dann geht es weiter nach Prato, wo vom 4.November an der historische Palazzo della Provincia dritte und letzte Ausstellungsstation ist.
Und hier, in Prato, hat alles begonnen. Im Juni vorigen Jahres bei der Deutsch-Italienischen Kulturbörse der VDIG. Es war eine spontane Idee in einem Gespräch am Rande. „Die DIG und die SiPO sollten doch mal einen Kulturaustauch organisieren“. Hat geklappt. Weil die Deutsch Italienische Gesellschaft Bielefeld und das Kulturinstitut SiPO mit großem Engagement und auch finanzieller Unterstützung hinter der Idee stehen. Und – nicht zuletzt – weil es hüben wie drüben „Macher“ gibt, die anpacken. Wie sagte Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es“.
Manfred Matheisen
Ausstellung von Rossella Baldecchi im Rathaus Bielefeld

Rossella Baldecchi ist eine bekannte Künstlerin aus der Toskana.
Sie absolvierte das „Nationale Kunstinstitut in Pistoia (Toskana)“ und die „Akademie der Schönen Künste in Florenz“.
Rossella Baldecchi war Dozentin für Design und Kunst in Pistoia und stellt seit fast 40 Jahren in Italien, z.B. in Venedig und auf Ischia, und im Ausland aus; sie hat wichtige Preise und Auszeichnungen erhalten. Sehr beachtete Ausstellungen fanden 2017 in Tokio und 2019 in Hiroshima statt. Ihre Arbeiten befinden sich derzeit in Galerien in den Vereinigten Staaten, Kanada und Großbritannien. Auch sind Bilder von ihr seit zehn Jahren in den Human Rights von Rovereto präsent, andere wurden im Hiroshima Peace Memorial gegenüber dem A Bomb Dome ausgestellt und weitere repräsentierten Italien beim Global Art Project for Peace in Tucson (Arizona).
In Rossella Baldecchis Werken steht dieweibliche Figur im Mittelpunkt. In perfekter figurativer und poetischer Darstellung wird zum einen die Schönheit dieser Mädchen und jungen Frauen gezeigt, auf vielen Bildern aber auch ihreVerletzlichkeit und Verletztheit durch Gewalt, Unterdrückung und Kriege. Sie bleibt aber nicht bei der Versehrtheit stehen;bei jeder ihrer Bilderserien – in Bielefeld ist es die Serie „donne di pace“ – ist es ihr ein Anliegen, die Kräfte der Bewältigung von Angst, Krieg und Traumata freizusetzen.
Baldecchi hat somit ein politisches, emanzipatorisches und humanistisches Anliegen: Sie will die dringende Notwendigkeit des Friedens, der Respektierung der Menschenrechte und der Rechte der Frauen zeigen.
Ihre Bilder sind dabei nicht belehrend oder dogmatisch, sondern nehmen die Betrachtenden mit ihrer Leichtigkeit, Poesie und Fantasie gefangen und vermitteln mit der Schönheit der dargestellten Figuren Mut und Hoffnung.
Die Ausstellungseröffnung am 2. April 2025





Auftakt zum Kulturaustausch der DIG mit Prato in der Toskana
„Donne die Pace“: Bilder von Rossella Baldecchi im Alten Rathaus
„Donne di Pace“ – Frauen des Friedens – ist eine Ausstellung mit Werken der italienischen Künstlerin Rossella Baldecchi betitelt, die am Mittwoch, 2. April, 16 Uhr, in der Kommunalen Galerie im Alten Rathaus Bielefeld eröffnet wird. Veranstalter ist die Deutsch Italienische Gesellschaft Bielefeld (DIG) in Kooperation mit dem Kulturamt Bielefeld. Die Schau bildet den Auftakt eines Kulturaustauschs der DIG mit dem Deutschen Kulturinstitut SI-PO in Prato. In diesem Herbst werden die Künstlerinnen Christine Halm, Kyungwon Shin und Irina Valkova ihre Arbeiten in Florenz, Prato, Montale und Pistoia ausstellen.
In Rossella Baldecchis Werken steht die weibliche Figur im Mittelpunkt. Sie zeigt in figurativer und poetischer Darstellung die Schönheit der Mädchen und jungen Frauen, auf vielen Bildern aber auch ihre Verletzlichkeit durch Gewalt, Unterdrückung und Kriege. „Ich möchte in meinen Bilderserien die Kräfte der Bewältigung von Angst, Krieg und Traumata freisetzen“, beschreibt die Künstlerin ihr Anliegen. Zudem will sie die dringende Notwendigkeit des Friedens, der Respektierung der Menschenrechte und – nicht zuletzt – die Rechte der Frauen zeigen. Ihre Bilder sind nicht belehrend oder dogmatisch, sondern überzeugen mit ihrer Leichtigkeit, Poesie und Fantasie.
Die Künstlerin stammt aus Pistoia in der Toskana. Sie absolvierte das „Nationale Kunstinstitut“ in Pistoia und die „Akademie der Schönen Künste“ in Florenz und hat unter anderem in den USA, Kanada, Japan und etlichen europäischen Ländern ausgestellt. 2021 wurde sie für ihr Werk „Geisha“ von der „Associazione Nazionale Incisori Italia“ in dem Wettbewerb „Arte Grafica Italiana“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Mit der Ausstellung „Donne di Pace“ nimmt eine Idee Fahrt auf, die anlässlich der Deutsch-italienischen Kulturbörse im Juni vorigen Jahres in Prato entstanden ist. Anne Ehrenhold-Knauf und Christine Halm vom Künstlerinnen-Forum Bielefeld präsentierten am Stand der DIG Arbeiten von Mitgliedern ihrer Gruppe. Der deutsche Honorarkonsul in Florenz, Dr. Federico di Salvo, und der Geschäftsführer der SI-Po, Peter Schmitz, zeigten sich begeistert. Bei einem Espresso war sich das Quartett schnell einig: Wir starten einen Kultur-Austausch. Dr. Maddalena Agliati, Präsidentin der Deutsch Italienischen Gesellschaft Bielefeld, gab sofort grünes Licht und sicherte finanzielle Unterstützung zu. Peter Schmitz brachte das Vorhaben in Prato in trockene Tücher.
Für Dr. Peter Prestel, Beiratsmitglied der DIG und Organisator der Bilderschau im Bielefelder Rathaus, soll es aber nicht bei wechselnden Ausstellungen bleiben: „Wir wollen einen Austausch mit direkten Begegnungen, Gesprächen und gegenseitigem Kennenlernen mit dem Medium der Kunst – unterhalb des etablierten Kunstbetriebs, sozusagen von unten und in kleinem Maßstab.“ Dieser individuelle Ansatz sei gerade in einer Zeit wichtig, in der große Institutionen wie zum Beispiel das Goethe-Institut an ihre finanziellen Grenzen stießen. Und dann greift Prestel noch ein Wort von Ilaria Bugetti auf. Die Bürgermeisterin von Prato hatte in ihrer Begrüßungsansprache bei der Deutsch italienischen Kulturbörse gesagt: „Der persönliche Kontakt über die Grenzen hinweg ist die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung Europas“.
Die Ausstellung in der Kommunalen Galerie wird am Mittwoch, 2. April, 16.00 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin von Kulturdezernent Dr. Uwe Witthaus eröffnet. Die Schau ist zu sehen montags bis donnerstags von 8:15 Uhr bis 18 Uhr, freitags von 8 Uhr bis 14:15 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Text: Manfred Matheisen



